GESCHICHTE

Die Churburger Wirtschaftsgespräche

 

Seit nunmehr über 30 Jahren rückt Schluderns als Veranstaltungsort einer renommierten internationalen Tagung einmal jährlich ganz besonders in den Mittelpunkt des Interesses. Die Churburger Wirtschaftsgespräche haben in einer langen Reihe von Jahren immer wieder bedeutende und brisante Themen für den Vinschgau und weit darüber hinaus aufgegriffen.

Weit über tausendfünfhundert wirtschaftlich und wissenschaftlich Interessierte sind in diesen Jahren auf die Churburg gekommen, nicht um sich die weltberühmte Rüstkammer anzusehen, sondern um sich mit Fragen der regionalen Entwicklung, des Bankwesens oder anderer gesellschaftlich bedeutsamer Themen auseinander zu setzen.

Die Churburger Wirtschaftsgespräche standen an der Wiege der Leader-Programme, die eine große Anzahl von Projekten für den oberen Vinschgau ermöglicht haben und viele Milliarden alter Lire ins Tal brachten. Die Teilnehmer der Churburger Wirtschaftsgespräche sind Persönlichkeiten und Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Kunst und Politik, die ein aufmerksames und anregendes Auditorium darstellen, das Dank seiner Diskussionsbeiträge zu einem, für alle Seiten befruchtenden Gedankenaustausch führt. Die stets am Samstag des zweiten Wochenendes des Oktobers stattfindenden Churburger Wirtschaftsgespräche beginnen im Allgemeinen morgens mit  zwei bis drei Referaten, die – je nach Rahmenprogramm wie beispielsweise eine historisch höchst interessante Burgführung durch den Hausherren Johannes Graf Trapp –  nach dem Mittagessen auf der Burg nachmittags mit weiteren zwei bis drei Referaten und jeweiligen Diskussionsrunden fortgesetzt werden. Nach einem stilvollen Abendessen in den Privatgemächern der gräflichen Familie wird der Abend mit einem Kamingespräch abgerundet. Zu Beginn widmeten sich die Churburger Wirtschaftsgespräche vorwiegend regionalen Themen des Vinschgaues. Der Initiator und Motor  der Tagungsreihe Johannes Graf Trapp war und ist die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Vinschgaues ein großes Anliegen. Die Themen aus der Anfangszeit  der Wirtschaftsgespräche  lauteten: Probleme einer regionalen Wirtschaftsförderung, Möglichkeiten zur Ansiedelung von Betrieben im Oberen Vinschgau, Der Vinschgauer Fremdenverkehr im Rahmen der Südtiroler Entwicklung.  Nachdem die Regionalentwicklung zum Hauptthema von LEADER geworden war und viele Mittel dafür zur Verfügung standen, änderten die Churburger Wirtschaftsgespräche ihre Schwerpunktsetzung. Es folgte eine Phase der Spezialisierung auf Themen des Bankenwesens: Banken und Umwelt, Private Banking im Alpenraum, Banken und Ethik, Das Bankgeheimnis, Banken, Geld und Kunst.

Mitte der Neunzigerjahre erfolgte eine Ausweitung der Themenstellungen auf internationale Themen und Fragestellungen des Wirtschaftens. Ein besonderer Höhepunkt war dabei das Thema des Jahres 1998: „Burgen und Schlösser zwischen Tradition und Wirtschaftlichkeit“, das in der Folge auch im europäischen Raum an Bedeutung und Interesse gewann.

Weitere Themen aus dieser Zeit waren „Wirtschaftsjournalismus“, „Globalisierung und Veränderung der Unternehmenskultur“, „Musik: Hehre Kunst – Wirtschaftsfaktor“ und die „Zukunft des Private Banking“.

Das Thema der 17. Churburger Wirtschaftsgespräche lautete: „Altersvorsorge: Tickt die Zeitbombe?“ Referenten aus Italien, Österreich, Großbritannien und der Schweiz untersuchten das brisante Thema der Altersvorsorge, das nicht nur bei uns, sondern bei allen sozial entwickelten Staaten Europas ein  wachsendes Problem darstellt.

Das Thema der 18. Churburger Wirtschaftsgespräche stellten das scheinbar sehr erfolgreiche Leitmodell unserer Gesellschaft in den Mittelpunkt: Krise und Zukunft des Kapitalismus. Wie steht dieses Denksystem heute da, welchen Bedrohungen ist es ausgesetzt und wie soll es in Zukunft weitergehen?  Ein weiteres Thema der vergangenen Jahre lautete, „Wasser, Lebensgrundlage und Streitobjekt“ erregte ebenfalls große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.

Die Churburger Wirtschaftsgespräche des Jahres 2005 gaben einen Rückblick auf die Höhepunkte der vergangenen 20 Jahre, viele Referenten von früheren Veranstaltungen kamen wieder auf die Churburg.

Die Zwanzig-Jahr-Feier war aber keineswegs ein Abschluss dieser erfolgreichen Veranstaltungsreihe. Im darauf folgenden Jahr stand das Thema „Geld und Religion“ im Mittelpunkt der Gespräche und das Jahr 2007 befasste sich wiederum mit einer denkmalpflegerischen Thematik: „Erhaltung und Nutzung denkmalgeschützter Objekte am Beispiel der Churburg“. Es ist zu erwarten, dass die Themen rund um die Belebung und Erhaltung interessanter alter Gebäude und Denkmäler auch in den kommenden Jahren immer wieder eine bedeutende Rolle spielen wird. Im Jahre 2007 spielte noch einmal das Wasser eine Rolle bei der Themenwahl der Churburger Wirtschaftsgespräche unter dem Titel „Umgang mit den Rohstoffreserven“, in folgenden Jahr stand die Frage der Energie im Mittelpunkt der Referate und Diskussionen.

2009 widmeten sich die Wirtschaftsgespräche der stets aktuellen Thematik der Unternehmensnachfolge in Familienbetrieben. Dabei hinterließen  neben den anderen Referenten insbesondere Frau Dkfm.  Heidi Senger-Weiss, Vorsitzende des Aufsichtsrates der Fa. Gebr. Weiss in Vorarlberg und  KR. Heinrich Spängler, vom Bankhaus Carl Spaengler & Co.Ag. in Salzburg einen besonders interessanten Eindruck.

2010 feiern die Wirtschaftsgespräche ihr 25-jähriges Jubiläum und wenden sich wieder einer Frage von europäischer Bedeutung zu, die auch für Südtirol eine nicht übersehbare Bedeutung hat: „Betrachtungen einer Region des Alpenraumes im Spannungsfeld zur EU-Regionalpolitik“. Auch diesmal wurden wieder sehr kompetente Referenten auf die Churburg eingeladen. EU – Kommissar Dr. Johannes Hahn wurde aus Brüssel mittels Videozuschaltung an den Wirtschaftsgesprächen beteiligt, Landeshauptmann Durnwalder begeisterte mit eine gehaltvollen Tischrede. Im Jahre 2011 war die „Architektur in den Alpen gestern und heute“ ein besonders spannendes Thema. „Wert(e)volle Familienunternehmen zwischen  Vision, Tradition und Dynamik“ brachte anregende über „Die Herausforderungen des Generationswechsels als Unternehmer“, und über „Unser Vermögen ist was unsere Mitarbeiter vermögen“ von  Dr. Hannes Loacker. Im folgenden Jahr war wieder einmal die Frage „Kunst als Wertanlage“ das Leitthema der Churburger Wirtschaftsgespräche. Die Aufforderung  „Regionalität – zurück zu den heimischen Ressourcen“ bildete bei den 29. Churburger Wirtschaftsgesprächen den Focus der Referate und Diskussionen, was einer Rückbesinnung auf die Anfangsthemen der Wirtschaftsgespräche gleichkam. Die 30. Wirtschaftsgespräche sollten ursprünglich einen feierlichen Abschluss dieser drei Jahrzehnte langen und damit einer der ältesten und doch stets modern gebliebenen niveauvollen Bildungsveranstaltungen in Südtirol darstellen. Der Südtiroler Landeshauptmann Dr. Arno Kompatscher gab einen Überblick zur wirtschaftlichen und politischen Lage Südtirols und die der Churburg und dem Vinschgau besonders verbundene Musikerin Prof. Dr. Marlies Nussbaumer-Eibensteiner aus  Innsbruck brachte gemeinsam mit ihrer Tochter mit einem „Konzert am Hammerflügel der Churburg“ einen klangvollen musikalischen Beitrag, der ebenfalls von den Veranstaltungsteilnehmern mit Begeisterung aufgenommen wurde. Die Ausstellung „Bettler, König, Condottiere“, war ein wesentlicher Tagesordnungspunkt gestaltet von den beiden Künstlern Prof. Gostner Martin und Karl Unterfrauner sowie der Kuratorin Mag.a Sabine Gamper. Der Gesamterlös dieser Benefizausstellung kam dem Vintschgauer Wohlfahrtsfonds zugute. Von 13. bis 15. Oktober 2017 fanden die 32. Churburger Wirtschaftsgespräche zum Thema „Innovativ wachsenstatt. Umrahmt wurde die Veranstaltung von der Ausstellung „Spin – Sehnsucht nach dem Entdecken neuer Welten und Erreichen neuer Ziele“ von Thomas Eller.

Die Wirtschaftsgespräche 2018 werden von 13. -14. Oktober stattfinden und sich mit dem Thema „Sinn“ im sozialen aber auch wirtschaftlichen Kontext beschäftigen. Das Programm zur heurigen Veranstaltung wird demnächst veröffentlicht.